Gewinnchancen eines Außenseiters

Anlässlich des Doppeljubiläums – Stadt Siegburg 950 und Siegburger SV 04 110 Jahre – gastiert die Profimannschaft des Bundesligaaufsteigers 1.FC Köln am 4. September gegen die Bezirksligamannschaft aus Siegburg im Walter – Mundorf Stadion. Der folgende Betrag soll aus sportpsychologischer Sicht die Möglichkeiten des Außenseiters beleuchten, sowie aufzeigen wo die möglichen Gefahren für den vermeintlichen sicheren Sieger liegen könnten. Welche Ratschläge und taktischen Anweisungen sollte der Heimcoach Kinan Moukhmalji seinen Spielern mit auf den Weg, um möglicherweise vielleicht doch das Wunder zu schaffen bzw. dieses für viele Spieler einmalige Erlebnis einerseits genießen, andererseits aus sportlicher Sicht erfolgreich zu absolvieren.

In der Vergangenheit gab es schon des Öfteren Beispiele dafür, dass der vermeintliche „Underdog“ den „Großen“ ein Bein gestellt haben. Ein aktuelles Beispiel lieferte gestern die Mannschaft aus Dresden. Diese schaltete in der 1. Runde des DFB-Pokals die Mannschaft von Schalke 04 aus. Dieses Urbild des Sieges eines Außenseiters über einen haushoch überlegenen Gegners stellt die biblische Geschichte David gegen Goliath dar.

Die Israeliten lagen im Krieg mit den Philistern. Beide Heere standen sich seit Wochen in ihren Festungen gegenüber. Jeden Morgen trat Goliath, ein hünenhafter Krieger der Philister, vor den Feind und verhöhnte diesen, weil kein der Israeliten gegen ihn im Zweikampf anzutreten wagte. David, ein junger Schäfer, besuchte seine Brüder, die im Heer der Israeliten dienten, als er die abfälligen Worte des gegnerischen Riesen vernahm. Da trat er vor seinen König und bot sich als Herausforderer des Feindes an. Er sagte, er habe schon einmal einen Löwen von seiner Herde vertrieben, da könne er es auch mit Goliath aufnehmen. Gott werde ihm den Sieg zukommen lassen. Der König stimmte nach kurzem Zögern zu, wollte aber, dass David ein Schwert nehme und eine Rüstung anzöge. David probierte die schwere Rüstung, legte sie aber direkt wieder ab, weil sie ihm ungewohnt war und er sich darin schlecht bewegen konnte. So trat er dem Hünen entgegen. Schnell griff er ein paar geeignete Steine vom Boden, legte einen in seine Steinschleuder, zielte genau und schleuderte, noch bevor er in der Reichweite des Riesen kam, ihm einen Stein an die Stirn. Goliath kippte bewusstlos um. David zögerte nicht, sondern zog dem Riesen das Schwert aus der Scheide und hieb ihm den Kopf ab.

Wenn man diese Geschichte genauer unter die Lupe nimmt und der Frage nachgeht wie es David geschafft hat den schier übermächtigen Gegner zu besiegen, scheinen hierbei sechs Faktoren ausschlaggebend zu sein (Linz, 2014):

1. Mut, Unerschrockenheit

2. Vertrauen auf den Sieg

3. Wissen um die eigene Stärke und Einsatz genau dieser Stärken.

4. Handeln, ohne zu zögern.

5. Überraschungsmoment (was beinhaltet, als Erster zu handeln)

6. Gnadenlosigkeit

Keine Angst vor großen Namen

Zuerst besteht die Aufgabe des Trainers darin, der Mannschaft die mögliche Angst vor dem Kontrahenten zu nehmen. Dabei ist besonders hilfreich auf die möglichen Schwächen und Problemen des Gegners einzugehen. Eine gute Möglichkeit besteht darin, das Team an frühere Spiele zu erinnern, in denen ihr überraschender Erfolg gelungen ist.

Zudem ist es von Vorteil, nicht den Sieg in den Vordergrund zu stellen, sondern Handlungs- und Zwischenziele zu formulieren. So wird der vermeintlich unüberwindbare Aufgabe in kleinere zu bewältigen Sequenzen zerlegt. Dies hat zur Folge, dass mit jedem erreichtem Etappenziel das Selbstvertrauen der Spieler steigt.

Vertrauen in die eigene Stärke

Das Verhalten von David vor dem Kampf ist sehr interessant. David beschäftigt sich nicht mit den möglichen Konsequenzen, über einen möglichen Sieg oder was ihm passieren könnte, für den Fall einer Niederlage. Vielmehr besinnt er sich auf seine Stärken (Kompetenzerwartung), welche ihm Kraft und Handlungsfähigkeit liefert. Sich mir der eigentlichen Handlung zu beschäftigen und nicht mit den möglichen Konsequenzen ist wichtig, denn was die Zukunft bringt kann ich nicht beeinflussen, jedoch die vorgeschalteten Handlungen, welche dazu führen.

Aus eigener Stärke handeln

Aus eigener Stärke handelt bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Mannschaft des SSV nicht auf mögliche Fehler der Kölner warten sollte. Dass die Profimannschaft aus Köln gravierende Fehler bsp. im Aufbauspiel machen wird, ist sehr unwahrscheinlich. Besonders hier sollten sich die Siegburger auf ihre Stärke berufen. David probiert eine Rüstung an, legt diese jedoch wieder ab, weil er es nicht gewohnt war mit dieser zu kämpfen. Auch geht er nicht mit dem Schwert in den Kampf, sondern besiegt Goliath mit seiner Steinschleuder, welcher er tagtäglich nutzt. Trainer Moukhmalji sollte seine Mannschaft gemäß ihrer Stärke aufstellen und spielen lassen. Dies muss nicht zwangsläufig etwas Spektakuläres sein. Ein alltägliches Mittel gekonnt eingesetzt, macht jedem Gegner das Leben schwer.

Entschlossenes und überraschendes Handeln

In der Geschichte fackelt der Schäfer David nicht lange. Er tastet sich nicht vorsichtig an und erkundet möglich Stärken und Schwächen Goliaths. Er hat eine einfache Strategie und setzt diese unverzüglich um. Als Außenseiter kann man sich ein anfängliches Abtasten nicht leisten. Der Gegner ist mir überlegen und aus diesem Grund sollte ich nicht in der passiven Rolle verharren. Das Überraschungsmoment lebt davon, dass es sofort umgesetzt wird. Die Spieler des Kölner FC sind nicht auf den Kopf gefallen – sonst würden Sie auch nicht in der Bundesliga spielen – und werden sich schnell formieren können und weitere Bemühungen schnell zunichtemachen, wenn die Siegburger nicht entschlossen handeln.

Auf den „Todesstoß“ vorbereitet sein

Der entscheidende Faktor der weiter oben genannt wurde ist Gnadenlosigkeit (Linz, 2014). Dies hört sich auf den ersten Blick verwunderlich an, jedoch kommt diesen Faktor eine enorme Bedeutung zu. David benügt sich nicht damit, dass er den Riesen mit dem Stein an der Stirn traf, nein, er nahm dessen Schwert und köpfte ihn. Nur so konnte sich David auch sicher sein, dass er den Kampf gewonnen hat. In der Vergangenheit gibt es einige Beispiele, wo der vermeintliche Außenseiter bis kurz vor Schluß auf der Gewinnerstraße war, jedoch dann die Courage vor dem eigenen Erfolg verlor. Ein klassisches Beispiel dafür war das Wimbledonendspiel aus dem Jahr 1993 zwischen Jana Novotna und Steffi Graf. Die Techechin führte im dritten und letzten Satz gegen die bsi dato wenig überzeugende Favoritin bei eigenem Aufschlag mit 4:1. Alles schien gelaufen. Novotna stand ganz dicht vor ihrem ersten Wimblendonsieg. Doch dann begann ihre Nerven an zu flattern und sie gewann kein Spiel mehr und musste letztendlich den Platz als Verlierer verlassen. Sie hatte ganz einfach Angst vor ihrem Erfolg bekommen.

Fazit:

Letztendlich gibt es einige Möglichkeiten für Trainer sein Team auf ein solches Spiel vorzubereiten bzw. einzustellen. Ob es wirklich der Bezirkligatruppe des SSV 04 gelingen wird dem Bundesligisten aus Köln ein „Bein zu stellen“ bleibt abzuwarten. Ich drücke jedoch fest die Daumen und freue mich auf ein spannendes und unterhaltsames Spiel am 04.09.

 

Literatur:

Linz, Lothar: Erfolgreiches Teamcoaching, Meyer&Meyer Verlag, Aachen 2014.

 

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